Äpfel mit Birnen : ELO


Letztens las ich in einem Internetbeitrag.

„Denn Herr A ist selbst ein großer Schachkünstler, was auch seine Elo von 1900 und ein paar zerquetschten verrät. Ok, vielleicht hätte A sich das Rating von Herrn B etwas genauer ansehen sollen. Dieses beläuft sich nämlich auf satte 2318 Elo. Also ~400 Elo mehr als Herrn As Fide Elo. „ …… „Wir rechnen jetzt mal zusammen: Herr B 2318 vs. Herr B  1918 Elo. ….. , wer ist nun der deutlich stärke Spieler? Ein Tipp, der Name fängt mit einem B an.“

Das zu lesen tut richtig weh, insbesondere wenn man weiß, dass die 2318 Elo von Herrn B das ICCF-Rating ist, welches fälschlicherweise oft auch ICCF-ELO genannt wird. Die 1900 ELO von Herrn A  sind aber „FIDE-ELO“.

Da ist wohl etwas Aufklärungsarbeit erforderlich.

Fast jeder kennt den Begriff „Handicap“ mit dem die Spielstärke eines Golfspielers ausgedrückt und vergleichbar gemacht werden soll.

Im Schach gibt es dafür auch eine Wertungszahl die sich durchgesetzt hat, nämlich die die ELO. Mit dieser soll die Spielstärke von Schachspielern vergleichbar gemacht werden soll. Nun ist die ELO aber keine Zahl die man durch objektive Kriterien bestimmen kann. Sondern zu Beginn seines Schachlebens wird die Spielstärke eines Spielers von anderen erfahrenen Schachspielern geschätzt und ihm eine ELO Zahl zugewiesen. In Folge sind dann Turnier-Spiele gegen andere ELO bewertete Spieler notwendig. Nach jedem Spiel werden dann die ELO Zahlen der beiden Spieler nach einer klar definierten Formel angepasst. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Elo-Zahl

Jetzt gibt es aber verschiedene Schachvarianten. z.B. klassisches Schach bei dem zwei Menschen an einem Brett gegenübersitzend eine Partie Schach spielen. Dann gibt es z.B. noch das Fernschach, bei dem die Spieler ihre Züge per Post, Email, Telefon oder sonst ein Medium übermitteln.

Dann gibt es z.B. noch Blindschach, bei dem die Spieler ohne Schachbrett gegeneinander spielen.

Und innerhalb dieser Varianten gibt es noch unterschiedliche Zeitvorgaben für eine Partie oder einen Zug, oder beides (Blitzschach, Turnier-Schach, etc.)

Um die Sache völlig undurchsichtig zu machen, gibt es noch verschiedene Schachverbände, die auch noch unterschiedliche Regeln haben.

So erlauben die Turnierregeln des  ICCF , einem internationalen Fernschach Verband, den Spielern sogar Computerhilfe in Anspruch zu nehmen. Bei direkten Turnieren, also Mensch gegen Mensch am Brett, der FIDE  ( internationaler Schachverband) sind aber keinerlei Hilfsmittel erlaubt. 

Daran erkennt auch der absolute Laie, dass Eine ICCF-ELO Zahl überhaupt nicht mit der FIDE-ELO Zahl vergleichbar ist. Das Eine ist Fernschach bei dem ich mir vom Computer helfen lassen darf und pro Zug mehrere Tage Zeit habe, beim klassischen Schach sitze ich einem anderen Menschen gegenüber, habe nur wenig Zeit für ein Spiel und darf keinerlei Hilfsmittel verwenden.

Aus diesem Grund benutzt die ICCF den Begriff ELO auch gar nicht sondern nennt seine Wertungsstärke eben ICCF-Rating.

Jedem halbwegs seriösen Schachspieler sollte klar sein, dass man die Spielstärke von Schachspielern , wenn überhaupt, nur über Wertungszahlen der gleichen Spielvariante  vergleichen kann.

Wer denkt, dass ein Spieler mit einer hohen ICCS-Wertungszahl besser ist als ein Spieler mit einer niedrigeren FIDE-Wertungszahl, der hat das System nicht verstanden und vergleicht Äpfel mit Birnen. Man könnte auch vermuten, er hat von Schach nicht besonders viel Ahnung.

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